What can I say, it’s complicated TRIGGERWARNUNG

Oft ist es schwierig, die ersten Worte oder Sätze zu finden. Aber da ist sehr viel in meinem Kopf. Dieser Beitrag könnte etwas Wirr werden.

Wir haben in der Therapie das Ereignis angeguckt, seitdem fühle ich mich noch wertloser. Die eigentliche Botschaft die nur noch in meinem Kopf hallt ist: ich will nicht mehr leben. Es ist egoistisch so zu denken, ich habe meiner Therapeutin ein Versprechen gegeben. Aber ich denke mir es ist nichts Wert. Bald wird sie ganz weg sein und ich werde nur eine ihrer Akten sein. Also warum soll mich das Versprechen aufhalten. Denn die letzten Wochen und vor allem jetzt gerade bin ich allein. Ich muss bald alleine klar kommen. Ich fühle mich nicht nur alleine, ich bin alleine. Sitze weinend auf dem Boden meiner Wohnung, sortiere die Tabletten. Ein Gedanke geht mir durch den Kopf, nie wieder Geschlossene Station. Wenn ich einen weiteren Versuch unternehme muss es also klappen. Alles muss gut vorbereitet sein. Dann kommen Gedanken an meinen Freund den ich liebe und der mich liebt. Wieder bin ich egoistisch. Dabei weine ich jetzt noch mehr. Ich liebe ihn, aber ohne mich wird es ihm besser gehen. Er kann dann Frei sein, er verdient jemand Gesunden. Wer weiß ob ich ihm die Kinder schenken kann die er sich wünscht. Doofe Essstörung, doofes Untergewicht. Nichts kann ich. Da ist soviel. Was bedeutet schon ein lächerliches Versprechen. Nichts im Gegenzug zu meinen starken Emotionen, mit denen ich alleine klar kommen muss.

In my mind

13 Sitzungen noch, es bricht Panik in mir aus. Wie soll es danach weitergehen? Ich bin doch kein bisschen stabil, ich hungere und will aufgeben. Soll mein Leben jetzt für immer so aussehen? Wenn es kein Anders geben wird, wofür kämpfe ich dann. Der Wunsch einfach zu „verhungern“ wächst und der Wunsch ist egoistisch. So falsch. Ich komme jetzt wieder mit den Kindern in Afrika, wahrscheinlich verdreht ihr die Augen. Aber es ist doch so. Überall hungern Menschen, leiden und ich will freiwillig sterben. Das ist einfach nicht richtig. Ich versuche mir die guten Dinge vor Augen zu führen, aber gerade ist es schwarz. Diese Woche haben wir in der Therapie über das Ereignis geredet, warum ich so große Angst habe vor mehr Gewicht und das es noch mit dem Ereignis zusammenhängt. Das ich mich immer wieder drumherum drehe, nie weiter geradeaus laufe. Ein Kreislauf zwischen Erinnerungen und Essstörung. Beide leben voneinander. Bald bin ich Beidem wieder vollkommen ausgesetzt, ohne Gewichtskontrollen und dann? Was wenn ich weniger werde, wenn ich Stück für Stück verschwinde? Dann freut sich irgendwo auf der Welt ein kranker Mensch das er seine Ziele erreicht hat. Für ihn waren es ein paar Minuten für mich der Anfang von rest meines Lebens. Ich will weg. Ich will meiner Therapeutin schreiben, sagen, mitteilen wie schlecht es mir geht. Aber nein das verbiete ich mir. Ich habe sowas nie gemacht, immer brav bis zur nächsten Sitzung gewartet und sogar da die „starke“ gespielt. Also fange ich jetzt am Ende erst Recht nicht mehr damit an. Jetzt muss ich alleine klarkommen, bald ist sie weg und ich bin da. Bleibe alleine zurück.

Therapiegedanken

Kennt ihr das Phänomen dass ihr denkt euch geht es einigermaßen gut und jedes Mal nach der Therapiesitzung ist das Gegenteil eingetroffen. Ich stelle mir mittlerweile jedes Mal nach der Sitzung die Frage, warum ist das so? Sollte die Therapie mir nicht helfen anstatt mich runterzuziehen. Natürlich ist mir bewusst das manches bearbeitet werden muss und das nicht leicht fällt. Aber egal welches Thema in der Sitzung Schwerpunkt war ich habe danach das Bedürfnis mich zu verkriechen und meine Lebensmüde Gedanken spuken im Kopf rum. Mittlerweile habe ich meine Therapeutin gebeten Sitzungen zu verschieben. Wir sehen uns manchmal alle zwei Wochen ab und zu auch nur alle drei Wochen. Mein Freund sagt ich renne weg, ich verdränge und wäre der Meinung dann gehe es mir besser. Aber ich bin nicht nur der Meinung, es ist so. Es fühlt sich auch nicht an wie verdrängen schließlich bin ich seit zwei Jahren bei ihr in der Therapie und habe mich wöchentlich den Dingen gestellt. Meiner Therapeutin ist aufgefallen dass mir die Sitzungen nicht gut tun. Tja was ist die Konsequenz fragte sie mich gestern. Abbrechen? Nein davor habe ich große Angst, die Symptome sind nämlich kein Stück besser. Ich sagte ich würde mir überlegen was genau in den Sitzungen passiere, dass meine Stimmung kippen würde. Ich zerbreche mir seit gestern den Kopf. Aber ich finde keine Antwort. Kennt einer von euch das? Hatte vielleicht die Gleiche oder Ähnliche Situation und konnte den Ursprung herausfiltern? Ich bin am Verzweifeln denn ohne Therapie geht es bei mir nur eine zeitlang gut, dann irgendwann kommt der extreme Einbruch. Mit Therapie geht es mir aber auch nicht gut. Was soll ich tun…

20.08.2019

Wie mein Leben momentan aussieht:

•Mein Partner zieht am 01.09 um, 200km weit entfernt, wegen der Arbeit

•Meine Mutter lag Juli im Koma und erholt sich langsam und ohne bleibende Schäden(bis auf die Psychischen, sie möchte immer über ihre Nahtoderfahrungen reden)

•Sehr gute Freundin aufgrund ihrer Bulimie gestorben

•Tiefes schwarzes Loch aus dem ich nicht rauskomme

•Körperliches Wrack mit vielen Baustellen die durch die Magersucht entstanden sind

•Gewicht im oberen Untergewicht, für meine Therapeutin erleichternd für mich unaushaltbar

•Täglichen Erbrechen

•Grenzenlos Erschöpft

•Der Wunsch nach dem Tod um den Schmerz nicht mehr zu ertragen

•Andere Freundin in die Bulimie gerutscht, ständig am Kiffen und Alkohol missbrauchen, so war sie nie

•Ausbeutung durch die Arbeit

•Meine Patentante hatte im Juni mehrere OPs, sie ist jetzt auf eine Nierentransplantation angewiesen. Und wartet…

Immer wenn ich denke es geht nicht schlimmer, geht es weiter bergab. Mein Leben ist ein einziges Drama, könnte glatt von Shakespeare sein. Und die traurige Wahrheit dabei, gesund werde ich nicht und ich habe den Gedanken auch schon länger aufgegeben. Jetzt geht es nur noch ums Funktionieren. Durchhalten.

Jugendfahrt die Hundertste

Es steht mal wieder eine Jugendfahrt an. Gemeinsam mit meinen Mitschülern und einer Lehrerin fahren wir in ein Selbstversorgerhaus und bekommen für geplante Einheiten Noten. Diesmal kann und ich werde ich mich nicht drücken, sondern fahre mit. Trotz allem habe ich riesige Angst und weiß nicht wie ich drei Tage schaffen soll. Wieder spiele ich mit den Gedanken mir etwas anzutun, nicht nur um nicht mitzufahren, sondern auch weil ich so tief gefangen bin in meinem Teufelskreis. Die Ausbildung raubt mir Energie, die Essstörung auch und die alltäglichen Probleme saugen den Rest Energie auf. Von mir bleibt eine leere irgendwie funktionierende Hülle. Ich bin mir wirklich noch nicht klar wie ich die Fahrt schaffen soll, ich habe große Bedenken und will am Liebsten nicht mit. Aber das geht nicht. Ich muss mit. Es sind noch drei Wochen trotzdem dreht sich jetzt schon vieles darum. Meine Therapie ist bald beendet, wir beantragen aber gerade die Verlängerung. Sollte sie nicht durchgehen habe ich keine Ahnung ob ich es schaffe zu Leben. Die Therapie ist das Einzige was mir gerade irgendwie Mut gibt. Ich werde tiefer in den Strudel hineingezogen und ersticke allmählich an meinem Leben.

17.01.2019

Fressen und Kotzen. Hungern und Fasten. Sport und Diäten. Ich nehme ab und es fühlt sich gut an. Meinem Umfeld ist es egal. Meine Therapeutin verliert kein Wort darüber.

Noch 19 Sitzungen dann endet die Therapie. Oder wollen wir verlängern? Zwei Jahre Therapie mit dieser wundervollen Therapeutin. Sie sieht Fortschritte. Ich nicht. In anderen Bereichen vielleicht aber in meiner Essstörung null. Rückschritte. Ich perfektioniere das Lügen und Schummeln immer besser. Ich sehne mich nach einer Umarmung. Nach Halt. Ich suche nach einem Grund zu kämpfen.

25.10.2018

-Triggerwarnung-

Meine Therapeutin hat die nächsten drei Wochen Urlaub. Für mich bedeutet es gerade Zusammenbruch. Mir geht es nicht gut. In diesen drei Wochen wird eine wichtige Entscheidung fallen, die ich jetzt alleine treffen muss. Ich werde in einer anderen Arbeitsstelle hospitieren und habe dort ein Stellenangebot bekommen. Keine leichte Entscheidung die ich nach dem Hospitieren mit ihr treffen wollte. Außerdem wird in dieser Zeit eine drei Tage lange Seminarfahrt mit meiner neuen Schulklasse und einer Lehrerin (die mich nicht leiden kann und außerdem Essgestört ist, was sie mir selbst erzählt hat) stattfinden. Ich will nicht mitfahren. Ich bin jetzt schon gelähmt vor Angst. Ich kann vor keinen dieser neuen Mitschüler, die ich auf dieser Fahrt vorher erst eine Woche kennen werde, essen. Ich habe Angst das meine Gefühle überhandnehmen werden und meine sensible Seite zusammenbricht. Weil ich mit dem Druck nicht umgehen kann, ganz zu Schweigen von dem Essensproblem. Ich bin nach der Therapie, auf der Fahrt nach Hause bereits abgedriftet und spiele schon wieder Szenarien durch, meine Tablettensammlung doch zunehmen. Weil es ausweglos scheint. Weil es mir schlecht geht ich aber in der Therapie nichts davon erwähne. Alle denken ich komme klar mir geht es gut. Mir geht es nicht gut. Sonst würde ich nicht mit den Gedanken spielen mich umzubringen, wohlgemerkt ist der Auslöser eine dumme Seminarfahrt. Weil es mich alles überfordert. Ich fühle mich sehr alleingelassen mit diesen Gedanken und traue mich nicht sie zu äußern. Jetzt ist eh erstmal egal, die nächsten drei Wochen heißt es funktionieren und bloß nicht zusammenbrechen. Entweder das oder ich setze meine Pläne in die Tat um.

Don’t wanna care about

Ich lebe noch. Mit der Betonung auf noch. Die Zeit vergeht trotzdem bin ich gefangen.
Ich versuche ein bisschen Struktur in mein geschriebenes zu bringen. Fangen wir mit meiner Ausbildung an. Ich mache sie noch. Ich bin immer noch in der gleichen Praxisstelle angestellt, obwohl so viel falsch läuft und ich da auf jeden Fall wegmöchte. Meine Versuche sind aber gescheitert. Augen zu und durch versuche ich mir jetzt jeden Morgen zu sagen. Ein Wechsel ist Aussichtslos. Ich bin in einer neuen Klasse, weil ich das Jahr wiederholen muss. Die ersten Wochen habe ich geschafft und die schlimmsten Momente, in die Stunde reinplatzen als die Neue und Vorstellungsrunden, sind gemeistert. Ich kann mich wieder zurückziehen und einfach nur anwesend sein. Das Erste begutachten und angestarrt werden, wie ein Tier im Zoo, ist vorbei. Natürlich wird im November eine Klassenfahrt gemacht. Ich habe jetzt schon riesige Angst davor. Ich möchte nicht mitfahren, aber nicht mitfahren heißt dass ich mich in einer neuen Klasse selbst ausgrenze. Ich kann in dieser Klasse vor diesen Menschen momentan nicht essen. Wie soll ich also drei Tage überstehen ohne dass es auffällt. Es weiß keiner warum ich wiederholen muss, weshalb ich lange krank war. Mich kennt dort keiner. Ich kann bei null anfangen.
Der Stress in der Arbeit und in Akademie lässt mich in meine Symptome fallen. Ich bin wieder im Untergewicht, dabei hatte ich mich vor dem Sommer einigermaßen stabil im unteren Normalgewicht. Ich erbreche täglich, esse vor niemandem. Ich will nicht mehr kämpfen weil es soviel Kraft kostet die ich nicht habe.
In meiner Beziehung lief es sehr gut, jetzt ist ein Problem aufgetreten was mir den Boden unter den Füßen wegreißen will. Ich hatte eine Schlüsselsituation in der er mir nichts angetan hat, mich aber körperlich so eingeschränkt hat, dass ich an meinen Übergriff erinnert wurde. Seitdem lässt mich die Erinnerung nicht mehr los. Ich meide körperliche Nähe zu meinem Freund, was unserer Beziehung nicht gut tut. Er kann es nicht verstehen weil ich es nicht erkläre. Ich habe aber endlich geschafft mich meiner Therapeutin zu öffnen. Wir bearbeiten das Thema gerade und versuchen zu erarbeiten wie ich meinem Freund dieses Thema näherbringen kann. Er weiß nicht was damals geschehen ist, weder von dem Übergriff noch von der Schwangerschaft. Ich wollte in dieser Beziehung unbeschwert sein und behandelt werden wie jede andere Frau. Ich dachte nicht dass es mich wieder einholt. Aber ich lerne eben auch nicht dass man vor seiner Vergangenheit nicht wegrennen kann.
Eigentlich ändert sich nichts in meinem Leben. Ich stehe immer noch vor den gleichen Hürden. Mit dem Unterschied dass ich einige weitere Kämpfe hinter mir habe. Ich will verschwinden. Aber das darf ich nicht. Es wird doch erwartet dass ich funktioniere, aber es ist sehr beschwerlich. Immer wieder stelle ich mir die Frage wozu. Mir fehlt zu allem die Kraft. Ich stehe auf, gehe zur Arbeit werde drangsaliert und breche Zuhause zusammen. Ich stehe auf, gehe zur Akademie und bekomme Steine in den ohnehin steilen Weg gelegt. Ich esse nicht. Abends macht mein Kreislauf schlapp. Aber trotzdem sieht mich keiner. Und mittlerweile will ich auch nicht mehr gesehen werden. Es interessiert keinen dass ich zerbreche. Alles ist eine Frage der Zeit.

19.06.2018

Der Tag ist verschwommen. Das ich ihn überstanden habe ist ein Wunder. Heute nach der Therapie macht sich wieder das Gefühl breit dort nicht mehr zu erscheinen. Die Therapie abzubrechen. Ich stehe auf der Stelle und habe keine Erfolge. Ich enttäusche meine Therapeutin. Nach jedem Mal geht es mir schlechter. Aber Therapie aufgeben heißt auch mich aufgeben. Ich weiß dann ist ein Hindernis weniger zwischen mir und dem Tod. Ich bin müde vom Kämpfen. Ich bin der Überzeugung nie gesund zu sein. Nie Essstörungsfrei zu sein. Ich will nicht mehr nur aushalten und von Therapie zu Therapie leben.

500km entfernt.

3 Jahre später.

Anderes Leben.

Neue Umgebung.

Andere Freunde.

Liebender Partner.

Trotzdem die gleichen Gefühle.

Dieser Beitrag erscheint euch bestimmt wirr. Glaubt mir meine Gefühle sind auch wirr. Seit gestern wird in den Medien von einem Mädchen berichtet das von mehreren Jungs missbraucht wurde und die währenddessen die Tat gefilmt haben. Das alles passierte in meiner Heimatstadt. Noch dazu in dem Waldstück was direkt neben unserem Garten liegt. Ich kenne alles in und auswendig. War als Kind oft da und gehe wenn ich zu Besuch bin dort immer noch mit dem Hund spazieren. Mich wirft das alles aus der Bahn. Ich werde nicht nur an das erinnert was mir dort in dieser Stadt vor drei Jahren passiert ist, sondern werde auch noch damit konfrontiert das dieses arme Mädchen das alles durchmachen muss. Ich war älter und hatte es wahrscheinlich verdient. Aber dieses Mädchen aus meiner Nachbarschaft hatte es nicht verdient. Sie wird daran kämpfen werden.

Mir hat es auch bewusst gemacht das ich nichts davon abgeschlossen habe. Ich lasse mich zu schnell aus der Bahn werfen, mich triggern. Wahrscheinlich bin ich einfach nur empfindlich und soll mich nicht so anstellen. Es ist lange vorbei. Und trotzdem bin ich emotional angegriffen.